Die Ulmer Eisenbahnfreunde trauern

 

Siegmar Schemmel

Für uns alle unfassbar und viel zu früh ist am 12. April 2021 unser Freund, Vereinsmitglied, Dampflokführer und Ausbilder

Siegmar Schemmel

verstorben. Mit den UEF war Siegmar Schemmel schon vor seiner Ausreise aus der DDR 1988 über private Kontakte und dann ab 1989 bis noch vor wenigen Wochen als aktives Mitglied rund um den Betrieb der jetzigen Sektion Dampfnostalgie Karlsruhe eng verbunden. Beim Betrieb und Erhalt unserer Lokomotiven 58 311, 50 2740, 50 3539 und 75 1118 war er immer ein gefragter Ratgeber und Mitstreiter, dem Vereins-Nachwuchs dabei ein meist geduldiger, oft auch vorantreibender Lehrer und dem Verein eine treue Stütze, in guten wie in schlechten Zeiten.
Die Aktiven der Dampfnostalgie Karlsruhe und darüber hinaus werden ihn als fürsorglichen Wegbegleiter und guten Freund immer in bester Erinnerung behalten und sind dankbar für die lange, schöne und intensive gemeinsame Zeit. Die Gedanken sind in diesen schweren Tagen bei seiner Familie. Ruhe in Frieden, lieber Siegmar!

250 Jahre unter Dampf

250Jahre

Wie geht das? 250 Jahre unter Dampf? So lange gibt es ja noch gar keine Dampflokomotiven?

Die beiden UEF-Lokomotiven 58 311 und 75 1118 wurden vor 100 Jahren in Karlsruhe gebaut - übrigens mit nur drei Fabriknummern Unterschied. (Die beiden Loks dazwischen waren ebenfalls 75er, sind aber bereits 1968 bzw. 1963 verschrottet worden) Das heißt, dass unsere beiden Loks vor 100 Jahren bereits ziemlich sicher nebeneinander in der Werkhalle standen. Nun haben beide überlebt - und das sogar betriebsfähig!

Als die beiden Loks das heutige Alter unseres Vereins UEF erreichten - und ein Jubiläum hätten feiern können - neigte sich die Dampf-Zeit ihrem Ende zu. Das war ein Anlass für die Gründung der Ulmer Eisenbahnfreunde.

Wenn man die Jubiläen des Jahres zusammen zählt ergibt das also wieder eine runde Zahl:

100 Jahre 75 1118
100 Jahre 58 311
50 Jahre Ulmer Eisenbahnfreunde
ergibt 250 Jahre

Dieses Jubiläum wollen wir dieses Jahr begehen und so weit es die derzeit widrigen Umstände erlauben ausgiebig feiern. Einige der geplanten Programmpunkte können Sie bereits dieser Internetseite entnehmen.

Halten Sie sich auf dem Laufenden - da derzeit keiner weiß, ob unsere Planungen auch durchgeführt werden können!

Der Schlepptriebwagen T 06


Status: im Einsatz


Die Lokalbahn kann man sich ohne Fuchs-Triebwagen eigentlich nicht vorstellen. Seit 1956 sind auf der Strecke zwischen Amstetten und Gerstetten Triebwagen aus der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg im Einsatz. Noch vor der Deutschen Bundesbahn begann die private Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) mit der Ablösung der Dampfloks durch Fahrzeuge mit Dieselmotor. Das hatte in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Allerdings hatten bei den WEG-Bahnen die neuen Triebwagen, im Gegensatz zu den Schienenbussen der Bundesbahn, deutlich mehr zu leisten. Während die roten Bundesbahn-Schienenbusse nur für den Personenverkehr beschafft wurden, mussten die WEG-Triebwagen auch den teils schweren Güterverkehr mit erledigen. Auf der Lokalbahn war zeitlebens der Triebwagen T 05 stationiert. Wir hätten dieses Fahrzeuge gerne erhalten, aber ein Unfall auf der Kochertalbahn Gaildorf West - Untergröningen führte dazu, dass das Fahrzeug schwer beschädigt wurde. Deshalb wurde das baugleiche Schwesterfahrzeug, der T 06, erworben. Auch er war planmäßig als Vertreter des T 05 sehr oft im Einsatz.

Der Schlepptriebwagen wurde vom Verein bis 2006 grundlegend restauriert und befindet sich in einem hervorragenden Zustand. Er wird regelmäßig an Sonn- und Feiertagen eingesetzt, wenn der Dampfzug nicht fährt. Natürlich kann man ihn auch für private Sonderfahrten mieten.

Noch zu WEG-Zeiten entstand dieses Foto im Endbahnhof Untergröningen der einstigen Kochertalbahn. Seit Jahren liegen dort allerdings keine Gleise mehr.


Technische Daten T 06
Baujahr 1956, Waggonfabrik Fuchs, Heidelberg, Nr 9056
Betriebsnummer T 06
Achsfolge A A
Antrieb Dieselhydraulisch-mechanisch
Motor 2x Büssing U11 D mit je 154 kW
Getriebe 2x Voith DiwaBus 501
Höchstgeschwindikeit 60 km/h
Gewicht 21,3 t
Länge über Puffer 13.400 mm
Sitzplätze 42
 

95 80 0301 021-1

Spantenwagen mit Gepäckabteil

BT 27 013, ÖBB Baureihe BDT 7237



Im Lokalbahnzug befinden sich auch drei Waggons, die aus Österreich stammen. Einer davon ist der Halbgepäckwagen BT 27013. Dieser Waggon gehört zur Familie der Spantenwagen. Diese Fahrzeuge entstanden nach dem 2. Weltkrieg bei den Österreichischen Bundesbahnen aus sehr unterschiedlichen alten Fahrzeugen mit Holzaufbau. Die damaligen Staatsbahnen litten massiv unter einem Wagenmangel, so dass ein Umbau- und Vereinheitlichungsprogramm ins Leben gerufen wurde. Im Gegensatz zu den umgebauten Wagen der Deutschen Bundesbahn oder der französischen SNCF bekamen die Fahrzeuge in Österreich die noch heute sehr beliebten offenen Plattformen.

Nach dem schweren Eisenbahnunfall von Schaftlach wurden die drei Waggons 1988 kurzfristig in Österreich beschafft, wo sie in ultramarinblau-elfenbeinfarbener Lackierung noch vor kurzem im Einsatz standen.  Der Waggon besitzt eine unabhängige Webasto-Heizung, so dass er unabhängig von der Dampflok auch bei kaltem Wetter beheizt werden kann. Bei uns erhielt er Ende der 1990er-Jahre auch zusätzlich eine Dampfheizung mit Versorgung von der Dampflok. Bei der Lokalbahn dient er im Dampfzug der Beförderung von Fahrrädern, Getränken und Expressgut. Seit 2021 erstahlt er wieder in den ursprünglichen Farben saphierblau/elfenbein.

Technische Daten - 27 013, ÖBB-Baureihe BDT 7237
Betriebsnummer 27 013
Bauart, Herkunft BDT, Spantenwagen, ex ÖBB 50 81 24 27 013
Länge über Puffer 13.800 mm
Achsstand: 8.000 mm
Gewicht 16 t
Sitzplätze 28
Heuzung Dampf + Webasto-Standheizung
Stromversorgung Batterie und Generator mit Riemenantrieb
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h, auf der Lokalbahn: 50 km/h
Ursprünglicher Hersteller vermutlich Maschinen-Waggonbau AG Simmering
Umbau Waggonwerkstatt Feldkirch
Baujahr 1924 / Umbau 1961
Bei UEF/LAG seit 1988
Status betriebsfähig, Stammfahrzeug im Lokalbahnzug
  75 80 9329 400-0

Die Dampflok 98 812


Status: in Aufarbeitung


Die Münchener Lokomotivfabrik Krauss baute 1911 erstmals die vierfach gekuppelte Tenderlokbaureihe GtL 4/4. Mit dieser Bauart stand für den Nebenbahndienst eine leistungsfähige und kurvengängige Lokomotive zur Verfügung. Insgesamt 117 Loks wurden gebaut, davon nur 13 vor dem ersten Weltkrieg, die übrigen wurden zwischen 1921 und 1927 geliefert. Bei der Deutschen Reichsbahn bekamen die Maschinen die Baureihe 98.8 zugewiesen.

Die kleinen, unscheinbaren Lokalbahnmaschinen bewährten sich so gut, daß die letzten erst 1970 beim Bw Schweinfurt ausgemustert wurden. Neben unserer 98 812 erhielt auch die 98 886 noch eine Computernummer.Während 98 886 von 1979 bis 1998 als Denkmal vor dem Schweinfurter Hauptbahnhof aufgestellt war, wurde die 98 812 der Hauptpreis einer Tombola, den schließlich ein Student gewann. Da die Auflage war, die Lok nicht zu verschrotten, gelangte sie zu den Ulmer Eisenbahnfreunden, die sie betriebsfähig erhielten und zu Sonderfahrten einsetzten. Die zweite erhaltene Maschine, die 98 886 fährt bei den Kollegen der Fränkischen Museumseisenbahn zwischen Fladungen und Mellrichstadt.

Seit 1982 war sie die Stamm-Dampflok auf der Lokalbahn Amstetten - Gerstetten. Nach einem Kesselschaden musste sie allerdings abgestellt werden.


Technische Daten 98 812
Baujahr 1914, Krauss 6911
Bauart D h2
Treib- und Kuppelraddurchmesser 1.006 mm
Laufraddurchmesser -
Leistung 450 PSi
Höchstgeschwindigkeit 40 km/h
Länge über Puffer 9.250 mm
Gewicht dienstbereite Lok 43,0 t
  90 80 0098 812-5

 

 

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